fünf vor zwölf . Lost and Found

 

fünf vor zwölf (Cinderella) . Cinderella

Video 2008

 

"Der 2,5-minütige Film „fünf vor zwölf“ zeigt in einer Endlosschleife unterschiedlich beschuhte Füße, die immer wieder eine Treppe hinabsteigen. Blaue Schuhe, rote Schuhe und der Höhepunkt goldene Schuhe, schließlich unbeschuht, barfuss. Wir vernehmen unentwegt die Geräuschkulisse der klappernden Schuhe. Viele Lesarten ermöglicht uns dieser geniale Videoclip mit seinem minimalistischen Aktionsradius: Cinderella - das Hin und Her also zwischen zwei Welten, der der schmutzigen Hausarbeit und der des Prinzessinnenwettbewerbs. Wer ist die Schönste und wer ergattert den Schönsten und Besten und vor allem: was ist danach? Würden sie sich auch heute noch die Zehen abhacken lassen, rasen tun sie sicher!  Nun muss keiner von uns Linsen aus der Asche suchen, doch das Verkleiden und die Flucht aus dem Haus kennen auch die älteren von uns. Konflikte von Privat- und Außenwelt, von Kleiderordnung und Terminkalender, von Modezwängen und Konkurrenzdenken, von turnusmäßigen Shoppingtouren  und vom Getriebensein, die plagen uns wohl alle ein bisschen. Monika Golla hat in dieser Arbeit mit dem Schuh als Metapher, einen nucleus freigelegt, der den Alltag vieler Frauen betrifft, der ihre Gangart entscheidend mitbestimmt. In der insistierenden Wiederholung, mit der die Absätze in unterschiedlichen Tonlagen die Treppe hinunterklappern, gelingt ihr ein wunderbar lakonischer Kommentar zum Frausein in zwei Welten."

 

The 2.5 minute film shows, in a loop, differently shod feet, continuously descending stairs. Blue shoes, red shoes and, the highlight, golden shoes, finally, unshod, barefoot. We hear, incessantly, the sound backdrop of clattering shoes. There are many possibilities to read this genius video-clip with its minimalist radius of action: Cinderella the back and forth between two worlds, that of dirty housework and that of the princess competition. Who is the most beautiful and who will catch the most handsome and best and, most important of all, what happens then? Would they still chop off their toes in this day and age, hurry they surely do!  Now none of us must sort lentils from the ashes, but the dressing up and the escape from the house those who are older know, too. Conflicts of private and outside world, of dress codes and schedules, of fashion constraints and competitive thinking, of regular shopping tours and of drivenness, all which plague most of us a little. In this work, using the shoe as a metaphor, Monika Golla has uncovered a nucleus concerning the everyday life of many women, that determines their pace. With the insisting repetition in which the heels clatter down the stairs in different sound pitches, she succeeds in giving a laconic commentary to being a woman in two worlds.

 

Andrea Suppmann 2008

Cinderella - Golla 2009

Deutsches Ledermuseum Offenbach

 

Kunstsammlung des Deutschen Ledermuseums / Deutschen Schuhmuseums, Offenbach

 

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Link: Die Wandlung der Unschuld


 

Lost And Found

Rauminstallation / installation

Lost and Found 2010

Dieser skulpturale Teil der Installation zeigt auf dreizehn kleinen im Raum angeordneten Sockeln eine Sammlung mit Fotografien von verlorenen Schuhen, die unterwegs an verschiedensten Orten vorgefunden wurden. Hier sind es ausschließlich Frauenschuhe, stets am Fundort abgebildet. Sowie ein Paar goldene Kindersandalen.

 

"Betrachten wir das Schicksal von Aschenputtel heute aus dieser  Perspektive: täglich lassen sich Hunderte einzelner Schuhe verloren an unseren Strassen finden. Unzählige Exemplare werden stündlich vom Meer hoffnungsvoll an Land gespült, doch weit und breit ist kein Prinz zu finden, der sie aufhebt und sich auf den Weg macht, die dazu passende Braut zu finden. Dennoch macht Cinderella sich unermüdlich auf’s Neue fein für den allabendlichen Prinzessinen-Wettbewerb. Und immer wieder wird sie die Treppe hinunter hasten, um pünktlich zu hause zu sein, und damit ihren Wandel zwischen beiden Welten nicht vorschnell preiszugeben. Vor allem aber, um ihren Schuh zu verlieren. Und auch ihre Unschuld...."

 

This sculptural part of the installation shows, on 13 small pedestals set in order around the room, a collection of photographs of lost shoes found at all sorts of locations. Here there are only womens shoes, always pictured at the site of their find. Additional a pair of golden baby sandals.

 

"Let us look at the fate of Cinderella from todays perspective: every day hundreds of lost shoes can be found on our streets. Countless numbers are hopefully washed ashore every hour, but there is no prince far or near to pick them up and set out to find the matching bride. And yet Cinderella tirelessly dresses up for the nightly princesses competition. And again she will hurry down the stairs to be home on time, and to not disclose her transition between both worlds too soon. But most of all to lose her shoe. And her virginity, too....."

 

 

goldene erbsen"Bäumchen, rüttel dich und schüttel dich, wirf Gold und Silber über mich! Und hack’ mir auch die Zehen ab, denn wenn ich Königin bin, so brauch’ ich nicht mehr zu Fuß zu gehen. Ich bin die rechte Braut!“

„Little tree, shake and toss, throw gold and silver down on me! And cut off my toes, because when I am queen, I will not need to walk on foot anymore. I am the true bride!“ 

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