Golla & Heyduck

 

Umkehr . Metanoia

Raum-Klang- und Videoinstallation 2014

sound and video installation

 

 

 

(Foto oben: Hans-Jürgen Herrmann)

 

Die Skizze zur Installationsidee und Vorgehensweise findet ihre Entsprechung im zentralen Motiv des Antependiums der Bergkirche, das aus winzigen Schmuckperlen von mehreren Frauen in Zusammenarbeit gestickt wurde. Die einander ergänzenden Installationen in der Bergkirche und dem Kunsthaus Wiesbaden geben verschiedenen Aspekten des Begriffs UMKEHR Gestalt, die symbolisch für die eigentliche theologische Bedeutung verstanden werden.

Dazu kehren die beiden Künstler die gewohnte Richtung des Bilder-Zeigens und des Wort-Verkündigens um und holen visuelle und akustische Lebensäußerungen aus dem Umkreis beider Häuser hinein ins Innere. Der Abstand zwischen Bergkirche und Kunsthaus (ca.500 m) wurde als Radius für Umkreise um diese zwei Orte eingesetzt. Entlang dieser Umkreise wurden jeweils zwölf Orte bestimmt, an denen mehrmals im Jahr Klang- bzw. Videoaufnahmen gemacht wurden, die den beiden Installationen schließlich zugrunde liegen. In beiden Häusern wurden raumfüllende kreisrunde Installationen konzipiert, die zahlreiche und zeitgleiche Aufnahmen an den jeweiligen zwölf Orten zu je einem neuen Ganzen zusammenfügen – hier einem Gesamtklang, dort einem Gesamtbild bzw. -film.

 

Klanginstallation in der Bergkirche

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(Foto rechts: Hans-Jürgen Herrmann)

 

 

 

Zwölf gleichartige Lautsprecher-Objekte sind kreisförmig in der Bergkirche angeordnet. In den tellerartigen Vertiefungen der nach oben gerichteten Lautsprecher liegen zwei bis drei Glasscherben von gebrauchten Glühbirnen. Die Anschlusskabel sind sichtbarer Teil der Installation und nehmen formal Bezug auf die Architektur und Symbolik des Gebäudes. 

Jeder der zwölf Lautsprecher erhält individuelle Klangsignale. Diese stammen von Mikrofonaufnahmen aus der Umgebung der Bergkirche. Die genauen Aufnahmeorte sind aufgrund geometrischer Operationen ausgehend von architektonischen Details und Position der Bergkirche in Bezug zum Kunsthaus ermittelt. Die Aufnahmen beinhalten Umweltklänge einschließlich menschlicher Stimmen. Bevor sie die Lautsprecher erreichen, werden sie so gefiltert, dass sich eine überproportionale Betonung der Tieftonanteile ergibt. So entstehen schließlich tieffrequente Vibrationen, welche die Lautsprecher in Schwingungen versetzen. Selbst kaum zu hören, bewegen sie die Glasscherben und bringen sie zum Klingen.  

Ausschnitt / Excerpt audio

Videoinstallation im Kunsthaus / Aula

Mit Analogie zu den Fenster-Rosetten sowie der Anordnung der Lautsprecher-Objekte in der Bergkirche wird im Kunsthaus ein zwölfteiliges Video auf den Boden projiziert. Die einzelnen kreisrunden Filmausschnitte sind derart angeordnet, dass sie eine neue runde Gesamtform bilden, bei der große Überschneidungen und verbindende Bildüberlagerungen entstehen. Der Bereich des Bodens, auf den projiziert wird, ist mit feinem Quarzsand bedeckt.

 

Mit denselben kartografisch-geometrischen Operationen, mit denen die Orte für die Tonaufnahmen auf dem Umkreis der Bergkirche ermittelt wurden, sind auch die Aufnahmeorte der Videos auf dem Umkreis des Kunsthauses bestimmt. So ergibt sich der Bezug zur Umgebung ebenso, wie ein konzeptioneller Zusammenhang mit der Installation in der Bergkirche. Dieser kommt außerdem zum tragen durch das Platzieren von Bänken aus der Bergkirche im Kunsthaus.  Die Videos wurden mit einer auf einer Drehscheibe montierten Kamera so aufgenommen, dass in jeweils ca. drei Minuten ein Rundum-Schwenk komplettiert wurde. In den Ablauf der Videos wird der Wechsel der Tageszeit eingearbeitet, ebenso wie der Zyklus der Jahreszeiten.

 


Klangperformance in der Bergkirche

Bei der 25minütigen Klangperformance wurden die gleichen Audioaufnahmen als Basis für die Klangerzeugung benutzt, wie für die Zuspielungen der 12 Klangobjekte. Diesmal fand auch der hörbare Frequenzanteil Verwendung und wurde über zwei zusätzliche Stereo Lautsprecher wiedergegeben. Die live gespielte Soundcollage mischte sich dabei mit den Geräuschen der laufenden Installation im Kirchenraum zu einem einmaligen Gesamtklang.

 

 

Ausschnitt / Excerpt

 

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